(VER)ERBEN – ABER RICHTIG!

Das Erbrecht unterscheidet sich ganz wesentlich von Land zu Land. Es ist also jedem Residenten dringlichst anzuraten, sich bei einem Anwalt über ein Testament zu informieren, um unnötige Kosten und Amtsquälereien zu verhindern.

Die nachstehend zusammengefassten und vereinfachten Informationen erheben weder Anspruch auf Vollständigkeit noch ersetzen sie eine professionelle Beratung, sondern sollen als Denkanstoß dienen.

Ricardo Lucio, Rechtsanwalt, Lawyer, Abogado, 928 76 25 03 unterstützt Sie gerne!

1. Welches Recht regelt meine Erbschaft?

Bis August 2015: Das Recht des Landes wo der Verstorbene zum Zeitpunkt seines Todes, unabhängig vom Wohnsitz oder Aufenthaltsort zum Zeitpunkt des Todes, seine Staatsangehörigkeit hatte.

Ab August 2015: Das Recht des Landes, das der Verstorbene in seinem Testament wählt, also entweder Heimatland oder Residentenland. Sollten Sie kein Testament haben, und daher keine Wahl getroffen haben, gilt das Recht des Landes in dem sie Resident (wohnhaft, ansässig) sind.

 

2. Wer erbt, wenn ich kein Testament gemacht habe?

Die gesetzlichen Erben. Gibt es die nicht, erbt der Staat wo der Verstorbene zum Zeitpunkt seines Todes seine Staatsangehörigkeit hatte, unabhängig von Wohnsitz oder Aufenthaltsort.

 

3. Wer sind gesetzliche Erben?

In den meisten Fällen: eheliche oder nichteheliche Abkömmlinge (Kinder, Enkel), Eltern, Geschwister (und deren Abkömmlinge); der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner; andere Verwandte abgestuft nach Verwandtschaftsgrad.

 

4. Welche Unterlagen braucht man für die Erbschaftssanahme?

Abhängig von Ihrer Staatsangehörigkeit brauchen Sie im Normalfall:

1. Sterbeurkunde

2. eröffnetes notarielles Testament oder Erbvertrag

3. Erbschein

4. Steuernummern

5. Ausweiskopien der Erben und des Verstorbenen.

 

ACHTUNG: Eine notarielle Erbschaftsannahme ist nötig wenn es Immobilien gibt.

 

5. Was ist zu tun, wenn die Erbschaft überschuldet sein könnte?

Manche Erbschaften sind ein Fluch der den Erben ruinieren kann, da nicht nur die Aktiva vererbt werden, sondern auch die Schulden (laufende Klagen, fehlende Steuererklärung...) Nicht zu vergessen die oftmals hohe Erbschaftssteuer.

 

In Spanien ist die Erbschaftsannahme nötig, um Erbe zu werden. In manchen Ländern jedoch muss man die Erbschaft innerhalb einer gesetzlichen Frist ausschlagen.

Wenn Sie das Erbe also nicht antreten wollen, muss dies in einer öffentlichen Urkunde innerhalb gewisser Fristen festgehalten werden. Nutzen Sie in jedem Fall alle legalen Möglichkeiten einer Überlegungszeit und lassen Sie sich richtig beraten.

 

6. Wie viel Erbschaftssteuer zahlt man in Spanien?

Vorweg ist zu sagen dass das ganze Weltvermögen des Erblassers in Spanien besteuert wird, wenn er spanischer Resident war. War er nicht Resident, wird nur das in Spanien befindliche Vermögen besteuert. Die Erbschaftssteuererklärung muss innerhalb einer gesetzlichen Frist nach Ableben des Erblassers eingereicht und bezahlt werden.

 

Der spanische Freibetrag beträgt knapp 16.000 Euro für Abkömmlinge, Ehepartner, Eltern. Für andere Verwandte gilt ein kleinerer Freibetrag. Nichtverwandte haben keinen Freibetrag. Besitzt der Erbe bereits Eigentum in Spanien im Wert von mehr als 400.000 Euro, erhöht sich die Steuer. Nachkommen unter 21 Jahren profitieren von Begünstigungen.

 

ACHTUNG: Diese Steuern verjähren nie. Um eine geerbte Immobilien eintragen oder verkaufen zu können ist es unvermeidlich, diese Steuern zu zahlen. Wenn man das nicht rechtzeitig tut, ist  mit Zinsen, Zuschlägen und gar Pfändungen zu rechnen.

 

7. Wo muss ich Erbschaftssteuer zahlen?

Wenn ein nicht-Spanier ohne Wohnsitz in Spanien spanische Bankkonten und Immobilien hinterlässt, wird dafür vom spanischen Finanzamt die Erbschaftssteuer eingehoben (beschränkte Steuerpflicht), und daheim würde die gesamte Erbschaft besteuert werden (unbeschränkte Steuerpflicht). Bei ständigem Wohnsitz in Spanien, wäre dies umgekehrt.

 

 

Auf Antrag wird in den meisten Fällen die in Spanien bezahlte Erbschaftssteuer mit der des Heimatlandes gegengerechnet. Wegen der hohen spanischen Erbschaftssteuer, bezahlt man daher selten Erbschaftssteuer im Heimatland.